Wings for Life World Run 2018

 

2 Wochen nach dem Vienna City Marathon war es schon wieder so weit, und das nächste Großereignis stand vor der Tür. Der Wings for Life World Run fand vorletzten Sonntag in Wien, zeitgleich mit vielen anderen Standorten auf der Welt, statt. Das Besondere an diesem Lauf ist, dass 100% der Startgebühren (50€) eins zu eins in die Wings for Life Stiftung für Rückenmarksforschung, speziell zur Heilung der Querschnittslähmung, fließen. Neben diesem tollen Aspekt ist es auch etwas ganz Besonderes, da viele betroffene Rollstuhlfahrer ebenfalls an diesem Event teilnehmen und entweder selber fahren oder sich von Freunden oder der Familie schieben lassen, bis sie schlussendlich vom Catcher Car eingeholt werden. Dies ist übrigens auch eine Besonderheit des Wings für Life World Run. Es gibt kein definiertes Ziel, sondern man läuft so lange auf einer vorgegebenen Strecke, bis einen das Auto (Catcher Car) einholt. Dieses startet 30 Minuten nach den Läufern mit 15 km/h und erhöht das Tempo bis der letzte Läufer schlussendlich eingeholt wird. Aber beginnen wir einmal von vorne.

Es ist Sonntag der 6. Mai. Gegen 12 Uhr kamen meine Freundin Victoria und ich zum Start des Laufes am Wiener Rathausplatz. Schon beim ersten Rundgang am Eventgelände fiel mir sofort die überwältigende positive Stimmung auf. Neben Interviews mit betroffenen Querschnittsgelähmten, die ihre Geschichte erzählten, hatten sich auch nationale Sportstars unter das Läufervolk gemischt. Man wurde von der positiven Atmosphäre einfach direkt angesteckt. Nach einem kurzen Rundgang war es dann aber auch schon so weit und wir reihten uns in unserem Startblock ein.

Die Stimmung vor dem Start war dank tollem Entertainment hervorragend und auch das schöne Wetter trug dazu bei, dass ich vor dem Start nicht angespannt war.

Trotz der ganzen Lockerheit, versuchte ich mir im Startblock mein Ziel für den Tag noch einmal in Erinnerung zu rufen. Ich wollte mindestens 20 km schaffen, bevor mich das Catcher Car einholt und nicht wieder so einen Einbruch erleben wie beim Halbmarathon vor 2 Wochen. Deswegen war meine Taktik diesmal etwas langsamer zu starten, um dann nach hinten hinaus das Tempo steigern zu können.

 

Dann war es soweit und es ertönte der Startschuss. Unter großem Applaus startete die Elite und danach alle anderen. Leider stellte ich schnell fest, dass wir schon drei Minuten verloren hatten, bis wir über die Startlinie kamen. Das hatte ich natürlich nicht in unser geplantes Renntempo miteinberechnet. Trotz der in mir auftretenden Panik, mein Ziel erneut nicht erreichen zu können, blieb ich ruhig und startete trotzdem nicht zu schnell weg.

Die ersten Kilometer waren wie bei jedem großen Lauf mit einigen tausend Teilnehmern sehr anstrengend. Ständiges Beschleunigen und Abbremsen sowie viel Umwege laufen, um andere Läufer zu überholen, machten die ersten Kilometer nervenaufreibend. Dennoch gelang es mir ein akzeptables Tempo zu laufen und mich nicht zu sehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Nach den ersten 5 km lichtete sich das Feld etwas und es wurde angenehmer. Besonders beeindruckt war ich von den vielen Läufern, die Rollstuhlfahrer vor sich herschoben. Ich versuchte diesen tollen Sportlern jedes Mal ein paar positive Worte zukommen zu lassen, um sie auf auch ihrem Weg zu unterstützen.

Ungefähr bei Kilometer 7 war es das erste Mal soweit, dass uns eine längere Strecke ohne Schatten in der prallen Sonne bevorstand. Es war die gleiche Strecke, die mir schon 2 Wochen zuvor beim Vienna City Marathon solche Probleme bereitete. Doch dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass mir die Hitze weniger zu schaffen machte. Die nächsten Kilometer vergangen wie im Flug, was nicht zuletzt daran lag, dass ich diesmal gemeinsam mit meiner Freundin lief und es so nicht langweilig wurde. Anders als beim Halbmarathon hatte ich mir an diesem Tag meine Kräfte gut eingeteilt. So lagen wir super in der Zeit, als wir die 18 Kilometer-Marke erreichten hatten. Danach wurde mir schnell klar, dass wir ohne Probleme die 20 Kilometer-Marke erreichen werden. Als wir diese dann passierten, schalteten wir einen Gang zurück und versuchten noch die letzten Minuten zu genießen. Es war vor allem spannend zu sehen, wie die Nervosität stieg, wenn man wusste, dass einen das Catcher Car bald einholen würde. So blickten sich bei Kilometer 21 schon einige Läufer um, um zu sehen, ob sie das Catcher Car schon sehen konnten. Doch von dem Auto fehlte noch jede Spur.

Bei Kilometer 22 war es dann soweit und man hörte das erste Mal das Hupen des Catcher Cars, das sich von hinten schnell näherte. Das war das Signal für einen letzten kleinen Schlusssprint für alle Teilnehmer und auch wir erhöhten noch mal das Tempo, bis uns dann das Catcher Car bei 22,45 km einholte. Besonders gut hat mir gefallen, dass noch mehrere Autos nach dem Catcher Car nachgefahren sind und den eingeholten Läufern für ihre Leistung gratulierten. Super war auch noch, dass die bereits eingeholten Läufer auch bei der nächsten Verpflegungsstation versorgt wurden.

Anschließend gingen wir bis zur nächsten U-Bahn-Station und fuhren zurück zum Rathausplatz, um uns unsere wohlverdiente Medaille abzuholen. Anschließend schauten wir uns noch die Liveübertragung des Rennens am Rathausplatz an. Der globale Gewinner war dieses Jahr zum zweiten Mal der Rollstuhlfahrer Aron Anderson, der knapp 90 km weit gekommen ist. Was für eine großartige Leistung!

Zusammengefasst war der Wings for Life World Run echt ein tolles Event, an dem ich auch nächstes Jahr gerne wieder teilnehmen werde. Denn es gibt wohl nichts Besseres, als mit seiner Laufleidenschaft positives bewirken zu können! Oder was meint ihr?

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