Ironman 70.3 St. Pölten – Race Bericht

Asics Frontrunner Ironman

Vergangenes Wochenende stand eines meiner absoluten Wettkampf-Highlights für mich an: der Ironman 70.3 in St. Pölten. Als ich vor sieben Monate den Entschluss fasste, dieses Projekt anzugehen, war mir klar, dass mir das Schwimmen – als absoluter Neuling – am schwersten fallen würde. Doch dank eines tollen Schwimmkurses und mehreren Open Water Events in Kapstadt, war ich auch dieser Herausforderung vor dem Start positiv gestimmt.
Doch am Samstag, einen Tag vor dem großen Wettkampf, folgte der erste kleine Schock, denn ich startete im letzten Startblock für die bevorstehende Schwimmstrecke. Ich dürfte wohl bei der Anmeldung die geplante Schwimmzeit falsch eingetragen haben.  Deshalb startete ich nicht im  geplanten 34 Minuten “Schwimmzeit-Block” sondern in dem Block mit einer geplanten Schwimmzeit von mehr als 46 Minuten. Nichtsdestotrotz ließ ich mich nicht aus der Ruhe bringen und ging nach einer kurzen Nacht – um 4 Uhr in der Früh läutete mein Wecker  und zwei Packungen Instant Nudelsuppen als Frühstück (Geheimtipp!) – an den Start.

Swim

Am Seeufer versuchte ich mich relativ weit vorne in meiner Startwelle zu positionieren, um von den anderen Athleten möglichst wenig geblockt zu werden. Doch schnell wurde mir klar, dass die hinteren Startblöcke sowieso ineinander verschmolzen waren. So musste ich inmitten der Massen starten. Mit ein wenig Anlauf ging es über die Zeiterfassungsmatte und ich sprang mit einem Kopfsprung ins Wasser. Puh! Das 16 Grad kalte Wasser ist trotz Neopren ganz schön kalt, war mein erster Gedanke im Wasser. Ich versuchte dennoch, wie ich es so oft geübt hatte, schnell meinen Rhythmus zu finden. Doch leider war das in dem Gedränge aus langsamen Brustschwimmern unmöglich.  Nach ein paar Zügen hatte ich immer Angst, mit den Schwimmern vor mir zu kollidieren. So wurde ich regelrecht umzingelt und wurde dadurch selbst zum Brustschwimmen gezwungen.  So war ich knapp davor mein Nerven wegzuschmeißen, da mir der ständige Wechsel zwischen Brustschwimmen und Kraulen sehr viel Kraft kostete. Ich konnte kaum mehr Atmen, hatte einen rasenden Puls und der Frust war groß. Als ich das Ufer endlich erreichte, wehrte die Freude nur kurz, denn beim Ironman St.Pölten ist es weltweit einzigartig, dass die Schwimmstrecke auf zwei Seen aufgeteilt ist. Ich lief also völlig erschöpft und benebelt von der Kälte des Wassers über die Brücke zum zweiten See. Zum Glück konnte ich mich auf den paar Metern an Land etwas erholen. Beim Erreichen des zweiten Sees stieg ich ganz seitlich ins Wasser und versuchte an der Masse vorbei zu schwimmen, was mir auch ganz gut gelang. Ich konnte endlich meinen Rhythmus finden und die letzten paar hundert Meter des Schwimmkurses gut durchziehen. Dennoch war ich körperlich sehr erschöpft und nach einem Blick auf die Uhr wurde mir klar, dass ich über 40 Minuten für den Schwimmkurs gebraucht hatte. Die Enttäuschung war groß. Dennoch ließ ich mich davon nicht entmutigen. Denn schon in der Vorbereitung setzte ich mich mit meiner mentalen Stärke auseinander. So schloss ich das Kapitel Schwimmen in der Wechselzone gedanklich ab und freute mich riesig endlich aufs Rad zu kommen.

Bike

Nachdem ich in der Wechselzone meinen Neoprenanzug schnell ausgezogen hatte und mir die Radsachen holte, ging es auch schon ab aufs Rad, um die wunderschöne 90 Kilometer lange Radstrecke zu bewältigen.

Bei den ersten Kilometern merkte ich bereits, dass ich noch ausreichend Kraft in den Beinen hatte und so konnte ich auf den ersten 20 Kilometern, auf der für den Ironman gesperrten Autobahn, so richtig Gas geben. Über den ersten Anstieg bei Kilometer 23 kam ich problemlos und fand einen super Tritt. Danach ging es circa bis Kilometer 60 flach dahin und ich konnte die traumhafte Radstrecke entlang der Weingebiete in der Wachau auch ein bisschen genießen. Darauf folgte der zweite, längere Anstieg. Da es teilweise über 10 Prozent steil war, bemerkte ich, dass ein Triathlonrad einfach nicht zum Klettern gemacht ist. Denn viele Teilnehmer mit Rennrad, die ich im Flachen überholt habe, radelten relativ einfach an mir vorbei. Die Versuchung mit ihnen mitzufahren war groß, aber ich versuchte trotzdem in meinem Watt-Zielbereich zu bleiben, um nicht all meine Kräfte zu verschießen. Schließlich stand ja noch ein Halbmarathon bevor.

Am Gipfel angekommen, ging es über eine lange Abfahrt zurück nach St. Pölten. Das war eine super Möglichkeit, um die Beine ein wenig auszuschütteln und mich mental auf das Laufen vorzubereiten. Bei der Einfahrt in die Ironmile, die man am Weg zur Wechselzone passiert, sah ich dann auch das erste Mal meine Familie, die mich lautstark anfeuerte. Was für ein Motivationsboost! Dann war das Radfahren auch schon zu Ende, und ich war super zufrieden mit meiner Leistung, die ich exakt nach Plan abliefern konnte.

Run

Am Anfang der zweiründigen Laufstrecke kam ich wieder bei der Ironmile vorbei und ich nahm mir ein paar Sekunden Zeit, um meine Familie zu begrüßen und um Kraft für den bevorstehenden Halbmarathon zu tanken.

Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug, bis sich dann schön langsam die Hitze bemerkbar machte. Zum Glück waren alle zwei bis drei Kilometer Verpflegungsstationen positioniert, die von Wasser, Cola und isotonischen Getränken über Gels und Riegel sogar gekühlte Schwämme anboten. Ein großes Dankeschön gilt auch den supertollen, freiwilligen Helfer, die mich jedesmal richtig gepusht haben, wenn ich an einer Verpflegungsstation vorbeigekommen bin. Nach der ersten Runde tankte ich noch einmal Kraft, als ich bei der Ironmile erneut meine Familie sah, und mich in die letzte Runde begab. Nur noch 10 Kilometer dachte ich mir, in meinem mittlerweile nicht mehr ganz so fittem Zustand. In der letzten Runde musste ich allerdings, auch wegen der hohen Temperaturen an jeder Verrpflegungsstation eine kurze Gehpause einlegen, um ausreichend zu trinken und mich mit  Schwämmen kühlen zu können. Diese Taktik funktionierte super und so verging auch die letzte Runde recht schnell. Beim Einlauf in die Ironmile überkamen mich dann die Emotionen. All der Schweiss und die harten Trainingseinheiten hatten sich gelohnt. Einfach ein unbeschreiblicher Moment.

Im Ziel angekommen gab es dann die wohlverdiente Finisher-Medaillie, das Finisher-T-Shirt inklusive folgendem netten Kommentar eines Mitstreiters: „Es geht eh um nix, weil morgen müssen wir eh wieder alle arbeiten.“ Fast ließ ich mir von diesem Spruch den Moment verderben, doch ich finde, dass dem nicht so ist. Denn jeder, der solch einen Wettkampf bestreitet, kann wahnsinnig stolz auf sich und seine Leistung sein. Da es viel Ehrgeiz und Disziplin benötigt, um bei so einem Wettkampf an den Start zu gehen.  Was bleibt ist die Erinnerung und diese kann einem keiner mehr nehmen.

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Ein Kommentar bei „Ironman 70.3 St. Pölten – Race Bericht“

  1. Cooler Bericht! Gratulation! 🙂
    Weiter so!

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